Aktuelles

Pressestimmen zur Wahl im Rhein-Erft-Kreis

Früh am Abend schon war CDU-Kandidat Willi Zylajew die Enttäuschung anzusehen. Und es war mehr als nur eine böse Ahnung, die seine Gesichtszüge bestimmte.

Spätestens seit dem Nachmittag wusste Zylajew, dass es für ihn und die CDU nicht zum erhofften Wahlsieg reichen würde.

Um 19.20 Uhr stellte sich der Hürther CDU-Kandidat im Kreishaus gemeinsam mit Parteichef Michael Breuer vor seine Parteifreunde und gestand: "Das ist unsere eigene Niederlage. Es ist nicht das Ergebnis, das wir uns erhofft hatten."

Dabei hatte sich Zylajew doch so sehr gewünscht, auch einmal das Gefühl eines persönlichen Wahlsieges erleben zu dürfen. Da konnte das Fläschchen Bocksbeutel – der alte Adenauer – nur ein schwacher Trost sein.

Mit Blick auf die Zahlen in Berlin und Bergheim wirkte auch der CDU-Chef im Kreis, Michael Breuer, sehr angespannt. "Nein, wir haben unser Wahlziel nicht erreicht. Das müssen wir ehrlich festhalten", sagte er mit bitter enttäuschter Miene.

Jubelstimmung wollte auch bei den Sozialdemokraten gleich nebenan nicht so recht aufkommen. Erst als gegen 19.40 Uhr unumstößlich feststand, dass Gabriele Frechen den Wahlkreis direkt geholt hatte, löste sich die Anspannung bei den Genossen. "Heute Abend werden wir erst einmal feiern", ließ Gabriele Frechen ihren Gefühlen freien lauf.

Und dann sah man in ihren Augenwinkeln auch ein paar Freudentränen – jetzt fiel die ganze Anspannung der vergangenen Wochen von ihr. Für die Genossen im Kreis schien der Gewinn des Direktmandates nach einer Reihe von Wahlpleiten wie ein Befreiungsschlag.

Wesentlich nüchterner fiel der Kommentar des SPD-Fraktionsvorsitzenden Hardy Fuß aus: "Das ist erfreulich." Ihm war möglicherweise nicht verborgen geblieben, dass Zylajew und die CDU trotz eigener Verluste aufgeholt hatten – wenn auch nicht entscheidend.

Kurz zuvor hatten sich Zylajew und Breuer als faire Verlierer gezeigt und der Kontrahentin mit einem Blumenstrauß gratuliert. Zylajew: "Das sind die schönsten Blumen, die ich finden konnte."

Grünen-Chef Rüdiger Warnecke war mit dem Zweitstimmen-Ergebnis seiner Partei "in dem bestehenden Spannungsfeld sehr zufrieden." Da wusste Warnecke allerdings noch nicht, dass die Grünen im Kreis bei 6,99 Prozent und damit 1,4 Prozent hinter dem Ergebnis der letzten Bundestagswahlen landen würden.

Und ganz anders als Direktkandidat Johannes Bortlisz-Dickoff, der das Ende von Rot-Grün in Berlin bedauerte, analysierte Parteichef Warnecke: "Grüne bei der CDU – das ist vom Wähler mit diesem Ergebnis durchaus gewollt."

Ähnlich wie im Bund holte die FDP auch im Kreis mit ihrem jungen Spitzenkandidaten Lars Effertz ein von den Liberalen selbst als "Überragend" gefeiertes Ergebnis: Mit 11,21 Prozent der Zweitstimmen blieb die FDP im Kreis zweistellig.

Dass der Kandidat selbst bei den Erststimmen rund drei Prozent einbüsste, "war wegen unserer klar auf die Zweitstimme ausgerichteten Kampagne zu erwarten", erklärte Lars Effertz am Wahlabend. Trotz der Freude über das Abschneiden der FDP resümierte Effertz den Wahlausgang enttäuscht: "Das ist kein guter Abend für Deutschland."

Mit 4,68 Prozent der Zweitstimmen blieb Die Linke im Kreis hinter dem Bundesergebnis zurück, lag aber im Trend der Zahlen für die alten Bundesländer. CDU-Mann Willi Zylajew kommt sicher über die Liste in den Bundestag. Am Wahlabend stand das lange nicht fest. Vielleicht deshalb auch wirkte der Christdemokrat angespannt wie selten zuvor.

SPD-Frau siegt im Revier der Platzhirsche (Ksta 20.9.05)

Analyse der Wahlergebnisse –Königshoven ist Hochburg der CDU, Einbruch in Ahe

Gabi Frechen punktete in den Stimmbezirken von Rüttgers und Zylajew

Von Ralph Jansen und Norbert Kurth

Rhein-Erft-Kreis – In Erftstadt konnte die FDP bei dieser Bundestagswahl nicht viel ausrichten. Mit 5,7 Prozent blieben die Freidemokraten bei den Erststimmen deutlich unter dem Ergebnis von vor drei Jahren – da waren es noch 8,3 Prozent für das gesamte Stadtgebiet. In ihrem Stimmbezirk konnte sich Gabi Molitor allerdings behaupten und zumindest bei den Erststimmen das Ergebnis von 2002 mit 8,5 Prozent noch überbieten. Überdurchschnittlich schnitt die FDP auch bei den Zweitstimmen ab. 12,9 Prozent kamen im Liblarer Stimmbezirk der Kandidatin für die Liberalen zusammen.
Gewendet hat sich das Blatt hingegen für die CDU – und zwar in kürzester Zeit. Haushoch setzte sich die SPD im Wahlkreis von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in Puhlheim-Sinthern durch. Während Rüttgers dort im Mai 53 Prozent der Stimmen für die Union holte und die SPD auf knapp unter 30 Prozent drückte, behielt Gabi Frechen jetzt mit 42,4 Prozent die Nase vorn – für die CDU kamen bei den Erststimmen nur 41,4 Prozent zusammen. Im gesamten Stadtgebiet von Pulheim blieb blieb die SPD zwar mit 43,4 Prozent der Erststimmen Siegerin, die CDU gewann aber gegenüber 2002 5,1 Prozent Prozentpunkte hinzu und rangiert mit 43,1 knapp hinter den Sozialdemokraten.
Wenn es doch überall so wäre wie in Königshoven, mögen sich die Christdemokraten am Wahlabend gedacht haben. Denn dann hätte Angela Merkel noch nicht einmal die FDP zum Regieren nötig. 53,5 Prozent der Zweitstimmen holte die CDU im Bedburger Umsiedlungsort. Die SPD kam nur auf 27,1 Prozent. Ähnlich ist es in Kerpen-Blatzheim, wo die CDU 43 Prozent holte (SPD: 33,5 Prozent).

Deutlich verloren

Doch Königshoven, Blatzheim und einige andere meist ländlich strukturierte Orte bilden die Ausnahme. Außer einer Reihe von Briefwahlbezirken und einigen knappen Siegen ging auch an Rhein und Erft der Großteil der Stimmbezirke an die SPD. So etwa an der Desdorfer Straße in Elsdorf, wo die SPD 53,9 Prozent errang, während auf die Christdemokraten nur 20,1 Prozent der Zweitstimmen entfielen. Selbst die Bergheimer Bezirke Ahe und Fliesteden, in denen Dr. Winfried Kösters und Elisabeth Hülsewig ber der Kommunalwahl im vergamgenen Jahr noch Rekordergebnisse jenseits der 70-Prozent-Marke einfuhren, gingen diesmal für die CDU überdeutlich verloren. So sank die Zustimmung für die CDU in Ahe I von 66,7 auf 29,2 Prozent, während gleichzeitig die SPD von 21,3 auf 45,2 Prozent zulegte – ein riesiger Erdrutsch für die CDU. Gleich nebenan im Wahlkreis Ahe II erzielte zudem noch die Linkspartei mit 11,9 Prozent ihr bestes Ergebnis im Nordkreis. Linkspartei-Kandidat Hans Decruppe erzielte an seinem Wohnort in Sinndorf mit 6,81 Prozent ein überdurchschnittliches Ergebnis, genauso wie Lars Effertz von der FDP, der in seinem Wohnort Manheim mit 11,6 Prozent etwas höher lag als die FDP in Kerpen mit 10,2 Prozent.
In Hürth blieb die SPD mit leichten Verlusten die stärkste Kraft. Mindestens in zwei Wahlbezirken konnte Gabriele Frechen (SPD) mehr als 50 Prozent der Stimmen einfahren – im eigenen und in dem von Willi Zylajew (CDU). Dabei langte sie in der Heimat des Kontrahenten, in Alt-Hürth, richtig zu: 52,6 Prozent der Erststimmen gingen an Frechen. Zylajew musste sich in der eigenen Nachbarschaft mit 37,3 Prozent geschlagen geben. In ihrem Heimatort Efferen schaffte sie noch 51,4 Prozent, Zylajew kam auch hier auf 37,3 Prozent.
Gut 50 Prozent schaffte auch Helga Kühn-Mengel (SPD) in ihrem Brühler Wahlbezirk (Melanchthon-Schule). Dort konnte sie Wolf Bauer (CDU) mit 28,9 Prozent in die Schranken weisen und blieb insgesamt im Brühler Stadtgebiet siegreich.

„Besser als Hauen und Stechen“

Die Basis der Parteien ist beim Thema Koalition auch ziemlich ratlos.

Brühl – „Wenig erfreulich“ findet Hans Theo Klug, CDU-Fraktionsvorsitzender im Brühler Rat, das Ergebnis der Bundestagswahlen. Die Sachinhalte der Christdemokraten seien nicht „rübergekommen“. „Wir sind ein Opfer der Angstkampagne geworden.“ Klug geht davon aus, dass es in zwei Jahren Neuwahlen geben wird. Theoretisch müsse nun eine große Koalition gebildet werden. Zufrieden zeigte sich indes Willi Mengel, SPD-Fraktionsvorsitzender in Brühl und Ehemann der Bundestagsabgeordenten Helga Kühn-Mengel. „Immerhin konnte so das Schlimmste verhindert werden.“ Als „Notlösung“ erachtet FDP-Fraktionschef Jochem Pitz ein Bündnis zwischen CDU, FDP und Grünen. In zentralen Punkten lägen die Freien Demokraten und die Grünen weit auseinander. Kämen CDU und SPD nicht auf einen Nenner, müssten die beiden anderen Parteien noch einmal miteinander sprechen. „Man kann ja nicht so lange wählen lassen, bis es passt.“

Blockade befürchtet

„Das Ergebnis wird viele Veränderungen, die für Deutschland notwendig sind, blockieren“, sorgt sich Michael vom Hagen, Fraktionschef der Grünen. Er persönlich sieht keine Zukunft in einem schwarz-gelb-grünen Bündnis. „Die Gegensätze zwischen FDP und Grünen sind einfach zu groß.“ „Ich möchte nicht in der Haut von Gerhard Schröder oder Angela Merkel stecken“, sagt Heinz Schmitz, Fraktionsvorsitzender der Bürger-Vereinigung Brühl (bvb). Ein Volk, dass so unentschlossen abstimme, sei schwierig zu regieren. Alle demokratischen Parteien müssen nun miteinander sprechen, um Deutschland in seiner Politikfähigkeit nicht zu lähmen.“

Frechen – Keine Erklärung für das Wahlergebnis hat die Frechener CDU-Fraktionsvorsitzende Susanne Holz: „Es gab eine Wechselstimmung, aber keiner hat den Wechsel gewählt.“ Eine große Koalition mit CDU und SPD sei der Wählerauftrag und würde dem Land auch gut tun. „Das halte ich aber mit den Herren Schröder und Müntefering für nicht möglich. Egal, was sich in Berlin bildet, ich glaube nicht, dass es vier Jahre hält.“ Das Volk habe die große Koalition gewählt, meint auch Brigitte D’moch-Schweren, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Frechen. Doch für diesen Fall müsse „über andere Personen“ an der Spitze nachgedacht werden. Zwar hätte eine Koalition von CDU, FDP und Grünen ihren Reiz, doch fände es Hans-Peter Schumacher, Vorsitzender der Frechener Grünen,„gar nicht schlecht“ wenn die Grünen nicht mehr in der Regierung wären. „Vielleicht sind vier Jahre vernünftige Opposition im Bundestag ohne Kompromisse ganz gut.“ Auch würden parteiübergreifende Reformen dem Land gut tun. „Alle vier Parteien könnten versuchen, an einem Stang zu ziehen.“

Für interessant hält Michael Brückner, FDP-Fraktionschef in Frechen, eine Koalition von CDU, FDP und Grünen. „Die Grünen gehen sachlich an die Arbeit ran.“

Erftstadt – Der SPD-Fraktionsvorsitzende Bernd Bohlen ist zwar sehr zufrieden mit dem Wahlergebnis. Gleichwohl sei auch die Politik Schröders abgestraft worden. „Ich gehe davon aus, dass die SPD stärker soziale Politik betreiben muss.“ Nach dem Motto „Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte“ werde die Kanzlerfrage geklärt. Das könnte Christian Wulff aus Niedersachsen sein. Alfred Zerres, CDU-Fraktionschef in Erftstadt, sieht zwar eine große Koalition als „Notprojekt“. Obwohl Erftstadt mit einem Bündnis zwischen CDU, Grünen und FDP in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht habe, glaubt er nicht, dass dies auch auf bundespolitischer Ebene funktionieren würde. Dem stimmt auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Hans-Eduard Hille zu. Das sieht der Fraktionschef der Grünen, Adi Bitten, allerdings anders. Er habe eine hohe Schnittmenge zwischen CDU, FDP und seiner Partei, vor allem in wirtschaftspolitischen Fragen, festgestellt. „Die Grünen würden dann wahrscheinlich irgendwann dafür gesteinigt, dass sie sich bewegt haben. Aber wenn es in der Koalition so munter zugeht wie in Jamaika, dann wäre mir das sehr lieb.“

Pulheim – Als „schlecht für alle Parteien“ bezeichnete der Pulheimer CDU-Vorsitzende Werner Theisen das Wahlergebnis. Schwierig sei sowohl ein Bündnis von CDU und FDP mit den Grünen als auch eine große Koalition. „Und die wäre nur mit Angela Merkel als Kanzlerin möglich.“ Keine Lösung für eine tragfähige Regierung sieht SPD-Fraktionschef Rolf Uebach. „Ich vermute, wir müssen nochmal wählen.“ Luzia Kilias, Partei- und Fraktionsvorsitzender der FDP, sagt: „Es ist traurig für unser Land. Denn so etwas Instabiles können wir nicht gebrauchen.“ Ein Rezept für Berlin hat auch Karin Burmeister, Fraktionsvorsitzende der Grünen, nicht. „Dass die Grünen sich mit CDU und FDP einigen, kann ich mir nicht vorstellen. Ich denke, die Grünen gehen in die Opposition und werden dort einiges erreichen. Besser als ein Hauen und Stechen.“

Hürth „Ich denke, dass der grüne Gedanke der Nachhaltigkeit jeder Partei gut zu Gesicht steht. Von daher brauchen die Grünen keine Berührungsängste zu haben, auch nicht vor einer Koalition mit der CDU,“ sagt der Vorsitzende der Hürther Grünen, Dr. Rüdiger Seydel. Er würde eine Zusammenarbeit mit der CDU selbst dann befürworten, wenn die Grünen auf den von ihnen propagierten Ausstieg aus der Atomenergie noch einige Jahre warten müssten. „Der Ausstieg kommt irgendwann sowieso, weil die Technik veraltet ist.“ Ganz auf der Linie des Parteivorsitzenden Guido Westerwelle ist der FDP-Vorsitzende Saleh Mati. „Kein Gehampel, das schadet der Glaubwürdigkeit.“ Auf eine große Koalition mit Kanzler Schröder an der Spitze setzt Günter Reiners, Vorsitzender der SPD. „Ein Prozent mehr Stimmen bei der CDU kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Schröder der bessere Kanzler ist.“ Angela Merkels Tage in der Partei seien gezählt: „Das ist leider das Schicksal von Politikern in solchen Positionen.“
Auch Frank Rock, Vorsitzender der CDU: „Ich glaube, dass das ein völliges Desaster wird.“ Er hoffe schon, dass Angela Merkel Kanzlerin werde, fürchte aber, dass eine große Koalition nicht lange halten werde und es innerhalb von zwei Jahren zu Neuwahlen komme. Merkel habe die Quittung bekommen, weil sie in der Mehrwertsteuerdiskussion „zu ehrlich“ war.
Wesseling – Ähnlich verzweifelt klangen die Worte von Fritz Graf, Unionsvorsitzender aus Wesseling: „Es ist ein absolutes Dilemma. Frau Merkel hat versucht, den Leuten die Wahrheit zu sagen. Dafür ist sie bestraft worden.“ Eine Prognose, wer jetzt mit wem koalieren soll, machte Graf gestern nicht: „Ich bin im Moment völlig ratlos.“
„Das ist überhaupt kein Ergebnis, das ist das Schlimmste, was passieren konnte“, schimpft SPD-Vorsitzender Erwin Esser aus Wesseling. Er glaubt, dass es auf eine große Koalition hinauslaufe, was allerdings die Arbeit an der Basis erschwere. „Da gibt es zu viele Kompromisse, und wir müssen den Bürgern Beschlüsse erklären, die wir im Prinzip nicht vertreten.“ Ein rot-rot-grünes Bündnis wäre für ihn aber gar nicht tragbar: „Dann würde ich mein Amt als Vorsitzender niederlegen.“ Ob Schröder Kanzler einer großen Koalition werden könne, ist für ihn fraglich. „Das werden schwere Verhandlungen.“ Mit Angela Merkel als Kanzlerin würde „ich wohl leben müssen, obwohl das nicht vergnügungssteuerpflichtig wäre.“

Bergheim – „Ich habe heute Morgen erst einmal ein Glas Sekt getrunken, um den Ärger runterzuspülen. Ich kann es nicht glauben, dass sich die Bürger so blenden lassen“, sagt die Bergheimer CDU-Vorsitzende Elisabeth Hülsewig. Ihre Wunschkonstellation wäre eine Koalition der CDU mit der FDP gewesen, aber dafür fehlten die Stimmen: „Von allen Alternativen scheint mir nun die einzig gangbare eine Koalition mit der FDP und den Grünen zu sein. Diese Kooperation ist mir jedenfalls sympathischer, als mit diesem verlogenen Kanzler weiterarbeiten zu müssen.“ Dr. Kai Faßbender, Fraktionsvorsitzender der Bergheimer SPD, sieht das erwartungsgemäß anders: „Die SPD ist stärkste Partei, also muss sie auch den Kanzler stellen.“ Auf den Einwand, CDU und CSU hätten doch einen kleinen Vorsprung, sagt Faßbender: „CDU / CSU sind nur die stärkste Fraktion im Bundestag, als Partei ist die SPD größer als die CDU. Ich bin für eine große Koalition unter der Kanzlerschaft von Schröder.“
„Jede demokratische Partei muss auch über Koalitionen nachdenken können“, sagt der stellvertretende Bergheimer FDP-Vorsitzende Alfred Friedrich. „Die CDU wird gemeinsam mit der FDP überlegen, die Grünen als dritte Partei mit an Bord zu nehmen.“ Damit könne er sich „unter Umständen“ abfinden: „Sonst fände ich aber auch die Opposition nicht schlimm.“ Hingegen sagt Reinhard Jütte, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Bergheim: „Die große Koalition ist das kleinste Übel.“ Eine schwarz-gelb-grüne Koalition – auch „Schwampel“ genannt – hält er für „inhaltlich sehr schwierig“: „Ich befürchte, dass die Grünen darüber kaputtgehen könnten.“

Kerpen – Kerpens SPD-Fraktionsvorsitzender Manfred Steinberg hofft darauf, dass sich eine der beiden kleineren Parteien – also FDP oder Grüne – in ihren Positionen bewegen würde und es so doch noch zu einer Regierungsbildung ohne große Koalition komme. „Als Sozialdemokrat kann ich mir dabei eine Koalition zwischen SPD, Grünen und der FDP eigentlich nicht vorstellen“, sagt Steinberg. Aus einer Sicht als „Staatsbürger“ würde er aber selbst dies aus der Not heraus akzeptieren , damit das Land weiter regiert werden kann.
Hubert Erkes, Fraktionsvorsitzender der FDP, schließt allerdings eine solche „Ampelkoalition“ aus SPD, Grünen und FDP aus. Er könne aber gut mit der Vorstellung leben, dass CDU und FDP mit den Grünen zusammengehen würden und Joschka Fischer so weiter in der Regierung bleibe.
Das wiederum hielte Hermann-Josef Klingele, Fraktionsvorsitzender der CDU, für schlecht: „Die Grünen sind doch nur Blockierer.“ Er fordert eine große Koalition unter Merkel. Klaus Ripp, CDU-Parteivorsitzender in Kerpen, glaubt dagegen, dass nach diesem Wahlergebnis weder Merkel noch Schröder als Kanzler in Frage kommen. Deshalb sei eine große Koalition unter einem der bisherigen CDU-Ministerpräsidenten die beste Lösung. Jutta Schnütgen-Weber von den Grünen hält auch eine Große Koalition für den besten Ausweg aus dem Dilemma. „Die Grünen sollten in die Opposition gehen“, findet sie. Hans Decruppe von der Linkspartei ist sicher: „Die SPD wird keine große Koalition unter der Wahlverliererin Merkel zulassen und die CDU keine unter Schröder.“ Deshalb werde es wohl zu einer großen Koalition ohne Schröder und Merkel kommen: „Im Hintergrund werden schon die Messer gewetzt.“

Bedburg – Einige Sympathien für eine schwarz-gelb-grüne Zusammenarbeit hegen die Bedburger Kommunalpolitiker. „Da gibt es einige Schnittpunkte, auch wenn das nicht meine Wunschkonstellation ist“, betont CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Georg Kippels. Eine große Koalition unter Kanzler Schröder lehnt er ab, auch Neuwahlen kommen für Kippels nicht in Frage. „Wir können doch nicht so lange wählen, bis uns das Ergebnis passt. Auch Grünen-Ratsmitglied Michael Zöphel könnte sich eine derartige Zusammenarbeit vorstellen. „Das wird bei uns Grünen schon länger diskutiert“. Ein großes Problem müsste aber gelöst werden. „Joschka will bestimmt Außenminister bleiben. Das Zugriffsrecht auf diesen Posten dürfte aber die stärkere FDP haben.“ Bei der FDP selber allerdings besteht keine Neigung hin zu Schwarz-Gelb-Grün. „Es gibt keine Schnittmengen mit den Grünen“, betont Ratsmitglied Jürgen Mitter. Er beklagt das „völlig ärgerliche Resultat, das Deutschland keinen Schritt weiterbringt“. Für die FDP könne es deshalb nur eine Rolle geben: „Wir werden eine starke Opposition.“
„Es wäre schön, wenn Schröder Bundeskanzler bliebe“, wünscht sich dagegen SPD-Fraktionsvorsitzender Horst Druch. Deshalb gebe es zu einer großen Koalition keine vernünftige Alternative, „auch Neuwahlen kommen eigentlich nicht in Frage“.

Elsdorf – Anhänger findet die so genannte Schwampel-Koalition, also eine „schwarze Ampel“ aus CDU, FDP und Grünen, nur bei der CDU in Elsdorf. „Es gibt genügend Punkte, über die es sich auch mit den Grünen zu reden lohnt“, sagt Fraktionsvorsitzender Jürgen Schiffer. Von einer großen Koalition hält er nichts. „Sie würde zu sehr unter Blockade leiden.“ Von einer Ampelkoalition hält der FDP-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat jedoch gar nichts. „Es wäre absolut falsch, sich für eine Ampel zur Verfügung zu stellen, und Schwarz-Gelb-Grün ist Utopie“, sagt Heinz-Wilhelm Houben. „Das würde die Partei nur Mitglieder kosten.“ Houben rechnet mit einer großen Koalition, die jedoch nach spätestens zwei Jahren auseinander brechen werde. „Die Unterschiede sind zu groß, es wird schnell Neuwahlen geben.“
Michael Broich (Grüne) hätte keine Probleme damit, wenn seine Parteifreunde in Berlin sich für die Oppositionsbank entscheiden würden. „Wir sollten nicht um jeden Preis an der Regierungsrolle kleben“, sagt Broich. Unter einer Kanzlerin Merkel sollten sich die Grünen jedenfalls nicht an der Regierung beteiligen.
Befürworter einer großen Koalition ist Diethard Ziegler. „Das wäre das Beste, aber Chancen hat diese Konstellation nur ohne Schröder und ohne Merkel“, sagt der Fraktionsvorsitzende der SPD. Wegen der „erheblichen Unterschiede“ in den Wahlprogrammen der beiden Parteien müssten die Spitzenkandidaten den Platz frei machen. „Nur so lässt sich der Anfang erleichtern.“

Kontakt

SPD Frechen

Schreiben Sie uns

Sie können jederzeit mit uns Kontakt aufnehmen.

Funktionen und Ausschüsse

  • Mitglied des Rates der Stadt Frechen
  • Mitglied im Haupt-, Personal- und Finanzausschuss (HFPA)
  • Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuß (RPA)
  • Mitglied im Ausschuss für Bauen und Vergabe (BVA)
  • Stadtentwicklungsgesellschaft Frechen GmbH (SEG)
  • Vorsitzender der SPD Frechen