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Zum Abschied werden die Akten vererbt

Dr. Heinz Weller (Bild: KSTA vom 10.02.2007)
Seine prall gefüllten Aktenordner sortiert Dr. Heinz Weller schon seit Wochen aus. (Bild KSTA vom 10.02.2007)

Eigentlich will er seinen Job „ganz ruhig ausklingen lassen“. Doch das klappt nicht.
Die Besprechung im Büro des Ersten Beigeordneten Dr. Heinz Weller zieht sich hin. Thema ist – wie schon so oft – der Frechener Stadtbetrieb. Mit den rechtlichen Angelegenheiten ist Weller als Aufsichtsratsvorsitzender des Stadtbetriebes nach wie vor vollauf beschäftigt. Dabei steht sein Abschied aus der Frechener Verwaltung kurz bevor. „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ heißt es bei den Karnevalisten – und auch für den 59-Jährigen. Das ist sein erster Tag im Ruhestand. „Dann kann ich endlich mehr über meinen Kalender verfügen“, sagt er. Nach 30-jähriger Tätigkeit bei der Stadt ein ganz neues Gefühl.
„Es ist unglaublich, wie viel Papier eine Verwaltung produziert“, kommentiert Weller die langen Reihen dicker Ordner, die sich im Laufe der Jahre in seinem Büroschrank angesammelt haben. Seit Wochen arbeitet er sich nebenbei durch die Papierflut, entscheidet, welcher Kollege für welchen Vorgang das Erbe antreten soll, und schickt die Unterlagen kartonweise auf den Weg.
LEUTE AN RHEIN UND ERFT
Persönliche Gegenstände hat der Jurist, der 1977 als Leiter des Rechtsamtes bei der Stadt anfing, nicht zu verpacken. Da gibt es einen Kaffeepott, der als Sammelbehälter für Kugelschreiber dient, und eine Grünpflanze im blauen Übertopf. Das war’s. Die Grafiken, die schon Jahre die Bürowände schmücken, die Keramiken und kleineren Skulpturen auf dem Schrank gehören der Stadt. „Nur meine Erinnerungen nehme ich mit“, sagt er etwas nachdenklich und erinnert sich an seine Anfänge: „Ich musste mich damals sofort mit dem Rathausneubau befassen.“
Mit dem früheren Gewerkschaftsunternehmen Neue Heimat, das mit der Planung und dem Grunderwerb beauftragt war, klappte es nicht. Weller hatte die Trennung der Stadt von der Firma vorzubereiten. Der damalige Stadtdirektor Heinz Filz wollte von seinem Rechtsamtsleiter „eine Versicherung, dass die Sache kein juristisches Nachspiel hat“. „Da war mir das erste Mal die große Verantwortung bewusst“, erinnert sich Weller. Die Sache lief glatt.
Auch bei der Suche nach einem neuen Investor für das Elisa-Seniorenstift hatte der Dezernent den richtigen Riecher: Das Doblinger Industriebauunternehmen und die Refugium-Holding AG waren im Gespräch. Die Entscheidung fiel gegen Refugium – kurz darauf ging die Holding in Konkurs. Weller: „Da hab ich wirklich ganz tief durchgeatmet.“
1979 wurde der Jurist erstmals für zwölf Jahre zum Beigeordneten gewählt. Die Wiederwahl des SPD-Mannes folgte 1990, und im Februar 1999 wurde er offiziell in seine dritte Amtszeit als Erster Beigeordneter eingeführt. Bis heute arbeitete Weller nacheinander mit drei Sekretärinnen zusammen, erlebte die Amtszeit von zwei Stadtdirektoren und zwei Bürgermeistern, Heinz Filz, Dr. Peter Arend, Jürgen Schaufuß und Hans-Willi Meier, und führt seit 2000 als Kämmerer den städtischen Haushalt. Sein letzter Etat 2007 war ein „Rundum-sorglos-Paket“. Innerhalb von zwei Monaten vorgelegt, überarbeitet, verabschiedet und garniert mit reichlich Steuereinnahmen. „Eine sehr erfreuliche Sache“, sagt Weller.
Doch der 59-Jährige, der in diesem Jahr einen runden Geburtstag feiert, kennt sich nicht nur mit Paragrafen und Zahlen aus, sondern hat auch ein Faible für die gestalterische Vielfalt der Keramik. Viele Jahre führte er die Geschäfte der früheren Frechener Kulturstiftung und ist seit ihrer Gründung im Vorstand der Stiftung Keramion. „Ich würde das Amt des Vorsitzenden gerne behalten“, sagt Weller. Dabei hat er den Blick auf den Regionale 2010 gerichtet. Mit dem Projekt „Netzwerk-Wissen-Keramik“ seien die Stiftung und die Stadt in Kooperation mit dem Kreis als assoziiertem Mitglied bei der Regionale 2010 aufgenommen worden. „Die Keramik-Kunst ist eine Stärke von Frechen. Daraus kann man noch viel mehr machen.“ Und diese Aufgabe reizt ihn.
Doch zunächst ist er gespannt auf ein neue Erfahrung: „Ich will fühlen, wie es mir im Ruhestand geht. Ob mir was fehlen wird.“ Die dicken Aktenordner werden es wohl nicht sein.

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